Aufarbeitung
Wie
gut eine Frau mit einem Kaiserschnitt zurecht kommt hängt
von unterschiedlichen Faktoren ab. War es ein geplanter oder
ungeplanter Kaiserschnitt, welche Vorstellungen und Wünsche
hatte die Frau von ihrer Geburt, wie kommt sie sonst mit Krisen
zurecht und was waren die ganz speziellen Umstände der
Kaiserschnittgeburt.
Entscheidend ist, ob die Frau mitbestimmen durfte, oder der
Kaiserschnitt über sie hinweg entschieden wurde. Hat sie
sich ausgeliefert gefühlt oder hat sie das Gefühl
der Kontrolle und Mitbestimmung erlebt? Wurde der Kaiserschnitt
in einer Notsituation getroffen, musste alles ganz schnell gehen
oder war genug Zeit, sich auch seelisch darauf einstellen zu
können?
Geplante Kaiserschnitte werden in der Regel besser verkraftet
als ungeplante, Mitbestimmung hilft der Frau das Gefühl
der Kontrolle zu behalten und sich noch selbst für die
Geburt verantwortlich zu fühlen. Bei der Kaiserschnittverarbeitung
durchlaufen Frauen mehrere Phasen.
Nach-dem-Kaiserschnitt
Phase 1: Postoperativer Schock
Unmittelbar nach der Operation sind Frauen sehr oft in einem
Schockzustand. Das führt dazu, dass sie einfach funktionieren.
Nach-dem-Kaiserschnitt
Phase 2: die ersten Tage
Einige Tage später lassen die ersten Schutzmechanismen
nach und neben körperlichen Schmerzen werden nun auch erstmals
die seelischen Schmerzen wahrgenommen. Gefühle von Enttäuschung,
Ärger, Neid oder Schuld können nun auftreten. Die
Aufmerksamkeit ist aber hauptsächlich auf körperliche
Vorgänge gerichtet- Schmerzen müssen unter Kontrolle
gehalten werden, erste Schritte gemacht, feste Nahrung aufgenommen
werden. In dieser Zeit können sich manche Frauen noch kaum
auf ihr Kind und ihre Muttergefühle konzentrieren, da sie
einfach noch ganz stark mit sich selber und den eigenen Körperfunktioenen
beschäftigt sind. Das kann die Schuldgefühle zusätzlich
verstärken.
In dieser Phase ist es besonders wichtig, die Frau zu unterstützen-
sowohl körperlich als auch seelisch.
Nach-dem-Kaiserschnitt
Phase 3: Bewusstwerdung
In den folgenden Wochen nach der Geburt muss sich die Frau von
der Operation erholen und gleichzeitig ihr neugeborenes Kind
versorgen. Dies stellt eine sehr große Belastung für
Kaiserschnittmütter dar. Sich einerseits zu schonen und
andererseits ein Kind 24 Std. zu versorgen überfordert
viele Frauen komplett. In dieser Phase stellt sie sich sehr
oft die Frage nach der Notwendigkeit des Kaiserschnitts."War
der Kaiserschnitt wirklich notwendig?"„ Was hätte
ich besser machen können, habe ich zu wenig ausgehalten?“
Nach-dem-Kaiserschnitt
Phase 4: Auseinandersetzung
In der vierten Phase, die ungefähr zwischen dem zweiten
und dem zwölften Monat nach der Geburt liegt, müssen
die schmerzhaften Gefühle verarbeitet und integriert werden.
Manche Frauen setzen sich nun intensiv mit dem Kaiserschnitt
auseinander und arbeiten das Erlebte aktiv auf. Manche haben
schon ihren Frieden mit der Geburt gefunden und für Andere
ist das Erlebnis so belastend, dass sie lieber gar nicht daran
denken wollen und es möglichst aus dem Bewußtsein
verdrängen.
Der Austausch mit anderen Frauen die Ähnliches erlebt haben,
kann bei der Aufarbeitung sehr hilfreich sein. Die Auseinandersetzung
mit dem Geburtserlebnis ist sehr wichtig, da sonst das Selbstbewusstsein
als Frau und auch die Paar-Beziehung stark belastet werden kann.
Nach-dem-Kaiserschnitt
Phase 5: Integration des Kaiserschnitts
Ein positiv bearbeitetes Kaiserschnitterlebnis bietet wie andere
Krisen die Möglichkeit, daraus gestärkt hervorzutreten.
Das Erlebte kann akzeptiert und in Bezug zum restlichen Leben
gesetzt werden. Die Bewertung einer Geburt als gut oder schlecht,
d.h.es als Gebärende gut oder schlecht gemacht zu haben,
verliert dabei an Bedeutung. Oft kann ein Schatz in dieser besonderen
Geburt gefunden werden, etwas das mich von nun an immer begleitet
und dazu gehört. Die schmerzhaften Gefühle lösen
sich auf, die Frau erinnert sich zwar immer wieder an die Geburt,
die Gefühle sind jedoch nicht mehr so überschwappend.
Die Frau kann sich mit dem Erlebten und sich selbst aussöhnen.